Tür 12
Fast jede(r) kennt das Sprichwort „Du wirst dein blaues Wunder erleben“. Weniger bekannt ist, dass es auf die alte Handwerkstechnik des Blaudrucks zurückgeht. Ein Färbeverfahren, das es 2016 auf das Bundesweite Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe geschafft hat und 2018 sogar auf die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Eingeführt in Europa wurde das Blaudruckverfahren gemeinsam mit der Indigo-Pflanze, die den blauen Farbstoff beinhaltet, durch Reisende der Niederländischen Ostindien-Kompanie im späten 17. Jahrhundert. Indigo verdrängte die bis dahin üblicherweise verwendete Waidpflanze. Im 18. und 19. Jahrhundert hatte sich die Technik des Blaufärbens in Mitteleuropa bereits weit verbreitet. Mit der Industrialisierung geriet der Blaudruck weitgehend außer Mode.

Doch was steckt hinter den hübsch gemusterten Stoffen? Beim Blaudruck wird eine farbstoffbeständige Paste mit Druckformen, sogenannten Modeln, auf Naturmaterialien wie Leinen, Baumwolle oder Seide aufgetragen. Anschließend wird der Stoff im Färberbad mit Indigo blau gefärbt. Die mit der Paste, der „Papp“, bedruckten Stellen bleiben ungefärbt, wodurch ein Muster entsteht. Die beim Druckverfahren verwendeten Modeln sind teilweise schon Jahrhunderte alt. Die Stoffe werden zu Tischtüchern, Vorhängen, Hemden und Meterware verarbeitet.


Obwohl der Blaudruck in der schnelllebigen, auf Masse bedachten Textilindustrie heute nur noch am Rande eine Rolle spielt, entdecken junge Designer:innen das alte Druckverfahren für ihre Zwecke immer wieder neu. Auch in Sachsen gibt es einige Handwerksbetriebe, die das immaterielle Kulturerbe Blaudruck lebendig halten, etwa in Pulsnitz.



Dörthe Schimke
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Gast (12. Dezember 2025). Blaudruck. Bildsehen / Bildhandeln. Abgerufen am 10. Juli 2026 von https://doi.org/10.58079/15bzw
