Tür 10
Ist Fotografie Kunst oder Handwerk? Ist die Idee oder eher das technische, optische, ästhetische, erfahrungsbasierte, inkorporierte, insgesamt praktische Wissen ausschlaggebend? Für die analoge Fotografie gilt auf jeden Fall beides. Denn mag zwar die Aufnahme eines Bildes mittels Fotoapparat von der Idee, einem künstlerischen Konzept oder einfach von einem als fotografiewürdig bewerteten Ereignis bestimmt sein, so schließen sich spätestens mit der Entwicklung von analogem Filmmaterial handwerkliche Vorgänge an, für die Wissen und Erfahrung notwendig sind. Im Jahr 2025 hat die Deutsche UNESCO-Kommission der Analogen Fotografie den Titel Immaterielles Kulturerbe verliehen. Gewürdigt wird das handwerkliche Wissen, das im Fotografieren steckt, und die Bemühungen der Akteur:innen, komplexes fotografisches Wissen weiterzugeben – trotz aller digitalen Weiterentwicklungen und Vereinfachungen, denkt man beispielsweise an die zunehmende Nutzung von Smartphones.


Analoges Fotografieren ist heute meist Liebhaberei, denn diese Art des Fotomachens ist zeitaufwändig und teuer. Es gibt, zumindest in Großstädten, noch (oder wieder) Fotolabore für die Filmentwicklung, auch Filmmaterial ist in einer erstaunlichen Vielfalt zu haben, funktionstüchtige analoge Kameras werden auf Flohmärkten oder online angeboten und es gibt (noch) Werkstätten für die Reparatur. Fragt man allerdings erfahrene Fotoamateur:innen nach ihrer Meinung, was Kolleginnen am ISGV in einem Projekt zum Amateurclub Freiberger Fotofreunde vor einiger Zeit getan haben, so sind insbesondere die, die mit dem Fotografieren in analogen Zeiten begonnen und ihr Filmmaterial noch selbst entwickelt, Kontaktabzüge und Ausbelichtungen angefertigt und das Material anschließend archiviert haben, meistens froh, dass diese Zeiten vorbei sind und ihnen die digitale Technik mehr Freiheiten lässt. Und dennoch sieht man ihren Fotografien an, dass die analoge Erfahrung zu einer Schärfung des Blicks und zu einer präziseren Auswahl der Motive geführt hat. Wer gern fotografiert, der oder die lässt sich bei der analogen Fotografie von der erst viel späteren Sichtbarkeit eines Fotos, von der Hell-Dunkel-Umkehr der Negative, von der optischen Tiefe der Aufnahmen, von der Materialität der Filme und den Herausforderungen ihrer Archivierung begeistern. Gut Licht!






Nadine Kulbe
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Gast (10. Dezember 2025). Analoge Fotografie. Bildsehen / Bildhandeln. Abgerufen am 9. Juli 2026 von https://doi.org/10.58079/15bdd
